Um einen übersichtlichen, strukturierten Mix zu erreichen, könnte der eine oder andere der folgenden Tipps sehr hilfreich sein.
Es ist schön und imponierend, wenn jeder Sound so fett wie möglich ist und schon einzeln mehr Stimmung macht als mancher Hit. Wenn man dann aber MUSIK damit machen möchte, fällt schnell auf, dass all die mächtigen Sounds zu einer unkonturierten, kraftlosen Matsche verschmolzen sind... Warum klingen alle anderen sogar im Radio besser? Das Problem kennst Du nicht? Prima, dann brauchst Du jetzt eigentlich nicht mehr weiterlesen!...
Ich denke mal, dass 80-90% noch dabei sind und nun neugierig werden. Auch wenn mein Text dadurch etwas länger wird, möchte ich mal weit ausholen und versuchen, anhand eines Beispiels aus einem anderen Bereich das Problem näher zu beleuchten: Wenn man sich einen (guten) Film bewußt ansieht, wird einem schnell klar, dass der Regisseur einem den Blickwinkel vorgibt. Der Fokus wird mit Sicherheit auf der Handlung (Melodie) und den (Haupt)darstellern (Instrument) liegen. Natürlich spielen die Darsteller in Räumen oder Umgebungen, die gerne auch aufwendig sein dürfen. Sicher wird aber nicht auf jede Vase, jedes Bild und den Teppich ein gleißender Scheinwerfer gerichtet sein! Diese Details sind zwar nicht unwichtig, aber eben alles andere als die Hauptsache - sie geben nur den nötigen Rahmen für die Handlung. Je besser die Darsteller in diesen Räumen verschmelzen, desto besser und angenehmer für den Zuschauer (-hörer). Mutwillige "Fehler", wie zum Beispiel ein hustender Schauspieler können (je nach Stil) das Produkt menschlicher machen.
Nun gut - ich hoffe, Du hast erkannt, worauf ich eigentlich hinaus möchte. Es versteht sich von selbst, dass Dein Schauspieler gut aussehen sollte! Der tragende Sound sollte also prägnant und immer heraushörbar sein! Du solltest Dir grundsätzlich wünschen, dass der Hörer die Melodie Deines Stückes nach dem ersten hören pfeift! "Hast Du den neuen Film mit Pamela Anderson gesehen? *seufz* " - Guter und verständlicher Vergleich?
Okay, lassen wir das Vergleichen und werden nun etwas konkreter: Die Bassdrum und der Baß sollten (grundsätzlich) in der Mitte sein, keinen Hall oder sonstige Effekte haben und sich gegenseitig so wenig wie möglich verdecken. Nun hat nicht jeder einen Kompressor, so lasse ich diese Feinheiten mal aus. Sicher hat aber jeder einen Equalizer. Schöner wäre ein vollparametrischer! Das Fundament kann deutlich besser werden, wenn man die Bassdrum an prägnanten Stellen mit dem EQ anhebt und den Baß an diesen Stellen etwas absenkt - Optimaler wird´s, wenn man dem Baß dann noch auf der "neutralen" Stelle der Bassdrum eine weitere Anhebung gibt. Da beides räumlich an der gleichen Stelle steht, sind das die elementaren Möglichkeiten, um sie voneinander abzuheben - Hall vermatscht wie gesagt und nimmt den "Kick". Wer keine parametrischen EQs hat, muss sich bei der Auswahl der Sounds leider etwas mehr Mühe geben, um das gleiche Resultat zu erzielen. Die Raver unter uns haben es da etwas leichter: Man kann auch einfach den Bass in der "Ruhezeit" der Bassdrum spielen. *Bumm...Dröhn...Bumm...Dröhn* Dadurch sind auch mühelos sehr hohe Durchschnittslautstärken zu erreichen.
Noch eine Kleinigkeit: Nicht jeder hat eine HiEnd-Anlage, und vielleicht wirst Du ja sogar im Radio oder auf VIVA gespielt! Subbässe mit endloser Tiefe (unter 50Hz) kosten Dich reichlich Lautheit und sind bestenfalls unhörbar, wenn nicht sogar störend *zerr*. Wenn man garantiert nur im Club gespielt wird, ist das noch tolerierbar, ansonsten aber einer der Kardinalfehler beim Mixen - einfach mal drüber nachdenken und verstehen!
Chorus und Flanger gehen auf die Monokompatibilität: FINGER WEG! Ans Mono-Radio denken! HiHats, Becken, Snare, Claps und andere Percussion sollten schön (und sinnvoll) im Panorama verteilt sein. Die Aufteilung eines echten Schlagzeuges ist da nicht das schlechteste. Die Snare und Claps würde ich persönlich meist nahe der Mitte anordnen. Grundsätzlich verdecken sich diese Geräusche aber nicht zu sehr, so dass ich Dich damit einfach mal ziemlich alleine lasse.
Flächen/Atmos und so weiter dürfen gerne ordentlich angedickt werden. Schon der Sound selbst darf (und sollte) eine schöne Panorama-Verteilung besitzen. Lebendig wird´s durch viele Oszillatoren, die gegeneinander verstimmt sind, langsame, und verschiedene LFOs pro Oszillator, Hall und Chorus/Flanger etc. erlaubt, bzw. sogar zwingend erforderlich. Langsame Filterhüllkurven (auch unterschiedlich je Oszi) sind ebenfalls schon beinahe Pflicht.
Der Melodiesound selbst wird normalerweise im Mittenbereich liegen und unterliegt sehr der Mode und dem jeweiligen Musikstil. Meist wird man das Problem bekommen, dass er mit Arpeggiatorlinien und ähnlichem verschwimmt. Gleichfrequente Sounds sollten möglichst im Panorama getrennt sein und / oder in der "Tiefe" woanders liegen. Das erreicht man durch gute Halleinstellungen - Experimentieren! Gute Schauspieler liegen ja auch nicht ewig aufeinander (schade eigentlich :o). Das Entfächern per EQs ist ähnlich wie bei der Bass/Bassdrum-Geschichte. Wirkungsvoll kann auch ein Hin- und Herwandern der Melodielinie sein - auch indirekt durch den Einsatz eines Panning-Delays. Um die Verwirrung in Grenzen zu halten, rate ich dringend dazu, das Timing der Delays oder des Wanderns zum Takt zu synchen. Dazu noch eine Kleinigkeit: Es muss nicht immer drastisches links/rechts sein! Subtil eingesetzt ist Panning weit homogener und lenkt nicht ab (wie ein rumwetzender Schauspieler).
Nun kommt der Härtetest: Nimm Deine Aufnahme und spiele sie auf allen möglichen Anlagen ab. Versuche herauszubekommen, was untergeht und wie es durchschnittlich klingt. Wenn es eigentlich überall schlecht klingt (trotz der Tipps), dann kannst Du darauf wetten, dass entweder Deine Monitore ungeeignet sind, oder Du sie einfach nicht gut genug kennst...
Lösung 1: Höre Dir angesagte (gute) Mischungen (CDs) auf Deinen Monitoren an!
Lösung 2: wie Lösung 1 nur intensiver!
Lösung 3: Wenn irgend möglich vernünftige Monitore kaufen! Das ist nicht so teuer wie man denken sollte - Ausgezeichnete Monitore für diese Zwecke liegen heute unter 1000,- DM und machen einem das Leben leicht... Außerdem werden alle Deine Freunde Dich verehren! Mein Tipp wären da z.B. die bewährten Alesis Monitor One (etwa 600,-/Paar). Grundsätzlich aber selbst hören!
Wenn das Geld für neue Monitore einfach nicht drin ist, siehe nochmals Lösung 1 und Lösung 2! Wäre schön, wenn Dir der eine oder andere Tipp weiterhilft!
Abschließend noch ein Schmankerl aus unserer Arbeit: Um die maximale Kompatibilität bei unserer CD zu erreichen, haben wir sie auf folgenden Lautsprechern gehört: LOEWE Arcada-Fernseher, Panasonic Ghettoblaster, Infinity Autolautsprecher, diverse Billig-Autolautsprecher, diverse "normale" Stereoanlagen, KS Monitore (4000,-), JBL Control One (200,-), Alesis Monitor One (600,-), JBL Ti5000 (11.000,-), Fischer&Fischer (~30.000,-). Zugegebenermaßen sehr verbissen und natürlich auch nicht dringend erforderlich! Ich denke aber, dass man nicht von den Zuhörern erwarten kann, ernst genommen zu werden, wenn man SELBST seine "Arbeit" nicht ernst nimmt... Aber auch das ist ein anderes Thema.