Hoontechs SoundTrack Digital Audio Soundkarte ist ein wahres Multitalent (siehe den ausführlichen MEMI-Test): 3D-Sound für Spiele, Surround für DVD, Klangausgabe von TV-Karten, Sampler, Effektgerät und Aufnahmestudio mit bis zu 4 (StdA 16ch: 8) Ein- und 8 Ausgängen - all das kann über so genannte Firmwares umgeschaltet werden. Wer aber blickt da noch durch? Der ernsthafte Musiker möchte seine Ruhe und mit dem Multimedia-Kram wenig zu tun haben. Gesucht wird also die Konfiguration fürs Recording. Unter uns: Die gibt es nicht! Aber man kann ihr zumindest nahe kommen...
Plug'n Play
In deutschen Landen genießt man den Vorteil, dass die StdA sinnvoller Weise meist als dickes "Musikerpaket" verkauft wird, d.h. man bekommt nicht nur die rohe Karte ohne Speicherbaustein, sondern es sind auch immer das Analog-Board mit 2 24-Bit-Stereoausgängen, MIDI-Anschlüssen und 16 MB RAM für den Sampler dabei. Damit lässt sich schon was anfangen, denn die Karte kann so als Multimedia- und Recordingzentrale dienen. Deshalb soll es zuerst mal um die Anschlüsse gehen.
Auf der Karte selbst finden Sie einen 18-Bit-Ausgang, der einfach die gemischten Signale aller Quellen ausgibt. Er ist prädestiniert für die unvermeidlichen Aktivlautsprecher zur Wiedergabe von Windows-Gebimmel, Spielesound u.s.w. Daneben finden Sie den Mikrofon- und den Line-Eingang. Ersteren können Sie wohl ignorieren. Der letztere ist jedoch für alle Recording- und Sampling-Aufgaben vonnöten. Hier sollten Sie zwei Ausgänge Ihres Mischpultes anschließen, z.B. den Main Mix oder zwei Subgruppen-Outs.
Auf dem Zusatzboard finden Sie die Rear- und Front-Ausgänge, die für Musikanwendungen besser geeignet sind als der Mixausgang. Sie können Sie als zwei Stereoausgänge verwenden oder als vier Einzelausgänge für den Dream-Sampler der Karte bzw. für Audiospuren aus dem Sequenzer. Wie flexibel die Verteilung von Signalen auf die Ausgänge vonstatten geht, ist von Firmware zu Firmware verschieden. Wenn Sie v.a. fertig gemischte Spuren abspielen wollen, empfiehlt es sich, zwei Stereoeingänge eines Mischpultes zu belegen. Sie können dann immer noch den Front-Ausgang nur für den Sampler und den Rear-Ausgang nur für die Audiospuren nutzen. Wollen Sie jedoch hauptsächlich extern mischen und Hardware-Effekte anwenden, ist es sinnvoller, vier Monoeingänge des Mischers zu belegen.
Welche Firmware hättens denn gern?
Auch hier gibt es keine eindeutige Antwort - es kommt darauf an, warum Sie sich die Hoontech-Karte zugelegt haben. Fangen wir mal mit den Sampling-Fanatikern an: Sollten Sie zu denjenigen Usern gehören, die sich ins Fäustchen lachen, wenn jemand 2000 Mark für einen 19"-Sampler ausgegeben hat, dann dürfte die 4ch MIDI Firmware für Sie die richtige sein, eventuell sogar in ihrer Dual-Ausführung. Damit stehen Ihnen zwei unabhängige Sampling-Einheiten mit insgesamt 128-stimmiger Polyphonie und bis zu 68 MB RAM (ab Werk 18 MB) bei 64-facher Multitimbralität zur Verfügung. So nebenbei können Sie auch noch 14 Wave-Devices für Audiospuren nutzen, die kosten dann aber polyphone Stimmen.
Der Vorteil dieser Firmware ist die Verteilung der MIDI-Kanäle auf Einzelausgänge. Sie finden einen entsprechenden Dialog im Menü der Firmware. Alleine in der Grundausstattung haben Sie damit acht unabhängige Monoausgänge, die Sie in einem externen Mischpult mit EQs und Effekten nachbearbeiten können. Der Nachteil: Die Firmware stellt selbst keine Effekte mehr zur Verfügung, womit wir zur Alternative kommen...
Mit der Main Mixer Firmware beschreiten Sie eine Art goldenen Mittelweg: Sie können sowohl den Sampler nutzen, aber eben auch Audiospuren über die Wave-Devices, einen zusätzlichen Softwaresynthesizer mit dem 8. Device, das hier als DirectSound-Treiber ausgelegt ist, und Sie können einen Reverb, einen Chorus und einen EQ zuschalten. Letzterer wirkt global, Reverb und Chorus können für jedes Wave-Device getrennt per AUX Send geregelt werden. Für den Sampler-Teil ist ebenfalls ein Stereofader angedacht. Reverb- und Chorus-Sends können Sie per GS-MIDI-Controller pro Kanal regeln. Eigene Bedienelemente gibt es hierfür aber nicht. Da müssen Sie schon eine Mixermap im Sequenzer bemühen. Beachten Sie, dass das Motto bei dieser Firmware "Multitalent" lautet - die Effekte sind dementsprechend nicht eben hervorragend.
Zum Thema Einzelausgänge: Der Sampler bleibt hier ausgeschlossen. Sie können lediglich bestimmen, ob er nur über den Front- oder nur über den Rear-Ausgang ausgegeben wird. Interessiert Sie der Sampler gar nicht, können Sie sich voll auf die Wave-Devices konzentrieren. Zunächst sieht es so aus, als ließen sich diese ebenfalls nur in der Panorama-Position regeln. Sobald Sie aber auf den Schalter Pan Mode unten neben einem Fader klicken, bekommen Sie eine X/Y-Fläche angezeigt. Mit der Kugel in der Mitte können Sie die Wave-Ausgabe zwischen den beiden Stereoausgängen verteilen. Extrempositionen ordnen das Device ausschließlich einem Ausgang zu. Korrekt einmitten können Sie den Regler mit einem Klick der rechten Maustaste.
Noch ein Tipp, um Ärger zu vermeiden: Lassen Sie die Effekte (Reverb und Chorus) immer eingeschaltet und regeln Sie deren Anteil lieber mit den Send-Fadern bzw. im Effektfenster mit dem Level-Regler (0 = Aus). Läuft nämlich Ihr Sequenzer, können Sie die Effekte nicht mehr ein- oder ausschalten; der Button ist blockiert, so lange der Sequenzer auf die Hoontech-Treiber zugreift.
Des Heimwerkers Aufmerksamkeit wird wohl zu allererst auf die so genannte Home Studio Firmware gelenkt werden, und tatsächlich hat auch sie ihren Reiz: Für vier Audio-Stereo-Devices kann man Effektketten aus Reverb, Chorus und EQ (bis zu 6 Bänder) zuschalten und unabhängig als Insert-Effekte verwenden (vier Reverbs gleichzeitig sind aber die Grenze des DSPs). Diese Effekte klingen etwas besser als die des Mainmixers und sind auch detaillierter editierbar.
Apropos MIDI: Der Sampler steht Ihnen hier gar nicht zur Verfügung! Sicher der größte Nachteil dieses Modus, denn so fehlt ja ein wichtiger Stimmenlieferant...
Wer mit wem?
Das Gute an den beiden DSPs der Hoontech: Man darf sich für jeden eine eigene Firmware aussuchen und diese auch in Reihe oder unabhängig nutzen (letzteres geht allerdings nur unter Verwendung einer externen Anschlussbox für zusätzliche Ausgänge).
Um Ihrem Tatendrang gleich einen Dämpfer zu verpassen: Denken Sie erst gar nicht daran, zwei Homestudio-Firmwares zu benutzen, womöglich noch getrennt für Aufnahme und Wiedergabe! Ein Bug verhindert hier nämlich ein stabiles Record while Play. Das ist sehr schade und wird hoffentlich bald behoben (Claus, wie sieht's aus in Korea?).
Im DAMA-Menü findet sich aber noch eine Alternative, die wohl für die meisten Musiker die beste Wahl darstellen dürfte: der Recording Mode. Hier wird der Slave-DSP mit der Homestudio-Firmware belegt, während der Master-DSP unter der Main Mixer Firmware arbeitet. Wenn Sie in Ihrem Sequenzerprogramm den Master fürs Playback und den Slave für Aufnahmen einstellen, haben Sie einen 16 MB Sampler mit Stereoausgang, 7 unabhängige Wavedevices (verteilbar auf die beiden Stereoausgänge), 1 DirectSound-Device und für alle zusammen die "kleinen" Reverb- und Chorus-Effekt-Sends zum Abspielen Ihrer Werke. Für Aufnahmen stehen Ihnen über die Homestudio-Firmware ebenfalls Effekte zur Verfügung, diese sind hier allerdings etwas vergeudet, weil über den Slave dann ja nicht abgespielt wird. Sollten Ihnen diese etwas besseren Effekte am Herzen liegen, können Sie es auch umgekehrt versuchen: Main Mixer auf den Slave DSP. Dann allerdings müssen Sie mit 2 MB Sample-RAM auskommen, was ja auch nicht immer der Weisheit letzter Schluss ist.
Wer einen Logic-Sequenzer betreibt, hat nicht viel Auswahl: Er oder sie kann nur über einen DSP abspielen. Cakewalk-Benutzer habens da besser: Hier kann jeder Spur irgendein vorhandenes Wave-Device zugeordnet werden, ganz gleich, von welchem DSP es gerade stammt. Sobald Sie Ihre Aufnahmen einmal gemacht haben und ans Abmischen gehen, stehen Ihnen über den Dual-Homestudio-Mode acht Stereo-Effektketten als Inserts unabhängig voneinander zur Verfügung. Wegen o.g. Bug müssen Sie sich aber eben aufs Playback beschränken. Diese Konfiguration sollte übrigens auch unter Samplitude funktionieren, denn auch hier können mehrere Karten angesteuert werden.
Effects und EQ Firmwares
Auch diese beiden Firmwares können im Heimstudio gute Dienste leisten. Im täglichen Betrieb sind sie allerdings nicht guten Gewissens zu empfehlen. Wo sollte man sie auch unterbringen, wenn nicht auf dem Master-DSP. Dann aber hat man nur noch den Slave für Aufnahme und Wiedergabe, und alle Signale rauschen erst mal durch den EQ bzw. das Effektgerät, was sicher weniger sinnvoll ist.
Die Hauptanwendung des EQs sehe ich mal in Masteringaufgaben und beim Sampling. Ist einmal der Großteil eines Stückes geschafft (bzw. das ganze), kann man den kompletten Mixer noch einmal durch diese Firmware jagen und Frequenzen nach Gusto aussselektionieren bzw. betonen. Dennoch muss man diesen Mix dann erst extern aufnehmen und wieder in den PC zurück spielen, um etwas davon zu haben. Nicht wirklich praxisnah, so schön diese Dreingabe auch ist. Einen leichten Vorteil haben hier jene Musiker, die ohnehin die meisten Arbeiten direkt im PC verrichten und die digitale Ebene selten bis gar nicht verlassen möchten. Alle anderen werden wohl oder übel auf Kompromisse oder externe Hardware zurückgreifen müssen.
Wer viel selber sampelt, kann den EQ auf den Slave-DSP legen. Eingehende Signale durchlaufen dann den EQ und können mit der Master-Firmware intern aufgenommen werden.
Ähnlich verhält es sich mit dem Effektgerät. Ohne externe Erweiterungsbox kommt an ihm kein Signal aus dem Slave-DSP vorbei, und wer verhallt schon einen kompletten Mix? Trotzdem kann man sich hier zumindest noch die Erweiterung des Outboard-Equipments vorstellen: AUX Send-Regler des externen Mischpultes an den Line-In der Karte, deren Stereoausgang dann in einen Return-Kanal des Mischpultes, und schon hätte man ein Effektgerät mehr. Dieses Verfahren ist allerdings nicht eben praxisnah, zumal man sich fragen muss, ob bei der Wandlung nicht eine vernehmbare Latenz auftritt.
Für Sampling-Fans gilt wieder das Gleiche wie oben: Effects Firmware auf den Slave-DSP und schon kann man alle eingehenden Sounds anfeuchten und mit dem Master-DSP samplen.
In der Praxis
Hier noch ein paar kleine Praxistipps zum täglichen Umgang mit der Karte:
- Die Mixeroberflächen wurden etwas rübennasig programmiert: Manchmal zeigen die Fader nicht die tatsächliche Stellung an. Die Default-Einstellungen erreichen Sie mit einem Rechtsklick auf ein Bedienelement.
- Viele Leute wundern sich über das seltsame Sync-Verhalten des Main Mixers zusammen mit einem Sequenzer. Das liegt oft an falschen Pitch-Einstellungen, die die Sampling-Rate pro Kanal festlegen können. Klicken Sie den Fader mit rechts an, damit er auf 44100 steht.
- Anfangs wunderte ich mich über teilweise stark verzerrte Playbacks im Recording Mode. Das könnte daran liegen, dass der Output-Regler der Homestudio-Firmware einen Bereich bis 225 abdeckt, während der Main Mixer Ausgang nur bis 127 reicht. Ein Absenken des besagten Reglers auf 127 schaffte Abhilfe.
- Der Filter-Effekt der Homestudio-Firmware funktioniert nur bei Mono-Wave-Signalen!
- Machen Sie von den Speichermöglichkeiten Gebrauch. Die gängisten Mixer-Konfigurationen lassen sich als mmx-Dateien sichern. Wers ganz luxuriös mag, kann sich zu jedem Song eine eigene Einstellung abspeichern (am besten unter dem Songnamen).
- Nutzen Sie das MIDI-Interface auch für externe Geräte (Treiber stehen allerdings nur in den Firmwares mit Sampler zur Verfügung): Der MIDI Out Port 2-Treiber gibt die MIDI-Daten auch am Hardware-Ausgang ab, während der Alternativtreiber ausschließlich den Dream-Sampler ansteuert. Wie Sie bei ersterem das Mitdudeln des Samplers verhindern, steht in einem weiteren MEMI-Tipp...
- Logic Audio User kommen bei MEMI in den Geschmack eines Environments für die Effetcs Firmware. Damit können Sie die Effekt-Presets aus Logic heraus nach Namen aufrufen, ohne das Effects-Panel bemühen zu müssen. Jetzt herunterladen!.
- Wem die Audioverzögerung unter Logic Audio zu groß vorkommt, kann eventuell mit den Puffergrößen der Karte etwas anfangen: Ich habe jeden der vier Regler um eine Einheit nach links bewegt und konnte die Wave-Ausgabe damit deutlich verbessern. Aber obacht: Support und Handbuch raten von der Benutzung des Puffer-Dialogs ab! Seltsamerweise kann man diesen übrigens nur aus den Optionen der Main Firmware heraus aufrufen...