Vol. IV · 2001 · Track 1.05
Roedelius
“Aber iwo doch”
Soundclip
ht4-clip105.mp3
Biografie
Roedelius ist Pionier auf dem Gebiet der Erforschung und musikalischen
Nutzbarmachung elektrisch generierter und -behandelter Geräusche, Töne
und Klänge. Er gehört zu den "Vätern" der zeitgenössischen, elektronischen
Instrumentalmusik.
Geboren 1934 in Berlin und seit 1978 in Niederösterreich (Baden bei Wien)
beheimatet, ist freischaffender Künstler. Seine Karriere als Musiker,
Komponist und Verfasser von Texten beginnt im Berlin der sechziger Jahre
mit Klangexperimenten, bzw. einer Art von radikalem musikalischen Aktionismus,
bei welchem quasi jeglicherlei geräuscherzeugendes Mittel willkommen ist.
Hans Joachims Discografie listet mittlerweile etwa einhundert
Veröffentlichungen auf (bootlegs, conterfeits und andere Raubpressungen
inbegriffen).
In einer demnächst über ihn erscheinenden Monografie werden diese zum
ersten Male vollständig und chronologisch geordnet interessierten Sammlern
vorgestellt.
Roedelius ist seit 1980 Stipendiat der Wiener Alban Berg-Stiftung.
Er ist Träger des "Förderungspreises 1994 für besondere Leistungen auf
dem Gebiet der Musik" der Niederösterreichischen Landesregierung, die
ihm auch die Herausgabe des ersten Teils der "Lieder vom Steinfeld"
in Privatedition ermöglicht hat.
Die Rotarier der Stadt Baden haben ihm ihren "Kulturpreis 1994" zuerkannt.
Die GEMA-Stiftung in München, die Republik Österreich und das Land
Niederösterreich waren in der Vergangenheit öfter als Sponsoren bei der
Realisierung von Konzertreisen ins ferne Ausland beteiligt.
Konzerte in Österreich, Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Italien, Norwegen, Dänemark, Holland, Schweiz, Kroatien, Japan, USA, and viele viele andere.
Hintergrund
Hans Joachim Roedelius über den Titel "Aber iwo doch":
"Auf der Suche nach neuen musikalischen Horizonten, müde geworden von der Hermetik und Strenge, bzw. 'spirituellen Armut' elektronischer Klänge, saß ich eines Tages ratlos in meinem kleinen Studio vor der Masse der schwarzen Apparate meines Equipments und grübelte darüber nach, ob ich nicht lieber einen anständigen Beruf ausüben solle, einen Beruf mit einem regelmäßigen Einkommen, geregelter Arbeitszeit, einer deshalb zufriedenen Ehefrau und Kindern, denen ich endlich die Freude des Geschenkes von Fahrrädern mit X Gängen, Ferienaufenthalten ihrer Wahl, immer wenn notwendig neuer Bekleidung und Theater- und Museumsbesuchen zu Bildungszwecken machen könnte.
Da klopfte es an der Tür. Ich öffnete und vor mir stand ein riesiger
Mensch mit einer riesigen Bassgeige und einer ebenso riesigen
Reisetasche, die er (beides) vom nächstgelegenen Bahnhof (etwa 15
Kilometer entfernt) zu Fuß angeschleppt hatte.
Er hielt mir schweigend einen Zettel hin auf dem in Englisch geschrieben
stand, dass er Pole sei, Stanislaw Michalak heiße und dass ich
so freundlich sein solle, ihn bei mir eine Weile aufzunehmen und mit
ihm zu musizieren.
Hatte mir die rätselhafte Vorsehung die Lösung meines Problems ins Haus
geschickt?
Nicht ganz, wie es sich herausstellte, aber zumindestens hat sich
dadurch bei mir eine Tür geöffnet, die (später) zur Gründung des
Künstlerpools 'Treffpunkt Wien' führte, dem mittlerweile etwa
45 KomponistInnen, MusikerInnen, TänzerInnen, Lichtdesigner,
Video-Künstler etc. aus den verschiedensten Kulturkreisen
angehören.
Überzeugt von der Notwendigkeit bzw. Fruchtbarkeit einer solchen
Zusammenarbeit hat die Wiener Alban Berg-Stiftung die Produktion aus der
das Stück 'Aber iwo doch' stammt, mit einem ansehnlichen Betrag
unterstützt, sodaß wir uns diesen Gast auch wirklich leisten konnten ..."
mp3-Soundclip "Aber iwo doch"