Rezension

Nightsessions

Jiannis

1998 CD 3 Tracks 66
Diese Rezension wurde von Thomas Polaschek verfasst und stammt aus dem MEMI-Archiv (1994–2005).
In der zweiten Hälfte der 80er Jahre hat sich Jiannis intensiv mit elektronischer Musik im Stile der Berliner Schule beschäftigt. Noch nie etwas von Jiannis gehört? Nun, so ging es mir vor einiger Zeit auch noch. Das liegt wohl daran, daß die Musik von Jiannis zur Zeit ihrer Entstehung nicht veröffentlicht wurde. Lambert Ringlage von Spheric Music fand es nun schade, diese Aufnahmen in irgendwelchen Schubladen verstauben zu lassen und so ließ Jiannis sich breitschlagen, dieses Material zu veröffentlichen. Und da kann ich nur zustimmen, denn ich hätte es auch mehr als schade gefunden, wenn diese Aufnahmen nie das Ohr der Öffentlichkeit erreicht hätten.

Aber nun zur Musik selbst: Sie entspricht wirklich dem womit man rechnet, wenn man an Berliner Schule denkt, nämlich improvisierte Melodien zu laufenden Sequenzern, doch das ist bei weitem nicht alles was einen hier erwartet. Gleich die erste (und längste) von drei Nummern, 'Apocalypsis II' ist schon recht abwechslungsreich. Von einleitenden Walgesängen (ok, das ist heute schon etwas aus der Mode ...) über angenehme Melodien bis hin zu fetzigen Synthsolis, die teilweise sehr nach Gitarre klingen (im Booklett ist aber keine erwähnt) und auch einem kurzen Klavierpart ist da wirklich alles drinnen. Das zweite Stück ist dann wirklich Berliner Schule in Reinkultur und könnte genausogut von Klaus Schulze oder Tangerine Dream stammen. Mit ca. 24 Minuten Spielzeit bietet 'Zoomland II', die dritte und zugleich letzte Nummer wieder schöne Melodien und rhythmische Sequenzerläufe, die dem Berliner Gehörgang durchaus schmeicheln, jedem anderen aber natürlich auch!

Lambert Ringlage meint, er könne sich vorstellen, daß diese Musik bei Fans von Klaus Schulze oder Tangerine Dream durchaus auf offene Ohren stossen würde und dieser Meinung kann ich mich nur anschliessen.