Rezension
Intermediate
Schon der knapp 7-minütige Opener "Between the Silcence" beweist dies in sehr eindrucksvoller Weise. Ein rundum gelungenes Ambient-Epos, daß durch perfekt inszenierte Sphären und Athmos überzeugt und zweifellos auch auf jeder B-Zet Scheibe genau richtig plaziert wäre. Und tatsächlich können auch die meisten der übrigen Titel das halten, was hier versprochen wird. So zum Beispiel der Titelsong "Intermediate": Eine eingängige Lead-Melodie, eingebettet in tiefe Sphären und garniert mit sehr gelungenen, aufeinander abgestimmten Sounds - Atmosphäre pur. Oder auch "A sequent Gallery Part 2", das ebenso atmosphärisch wie rhythmisch daherkommt. Überhaupt bedeutet Atmosphäre bei Stefan Erbe nicht, daß hier nur mit endlosen, langweiligen Flächen gespielt wird. Vielmehr beherrscht Erbe es auf den Punkt, sphärische Sounds und Flächen so mit elektronischen Rhythmen zu unterlegen, daß dem Zuhörer sicherlich nie langweilig wird.
Daß er aber durchaus auch ohne Drums und Sequenzen kann, beweist Herr Erbe in dem leider nur 2:40-minütigen synthy-orchestralen "Our Darkness", mit dem er sich zusätzlich als Meister in der hohen Kunst des Arrangierens outet.
Zu den weiteren besonders lobenswert zu nennenden Titeln zählt unter anderem das mit gut eingesetzten Vocal-Samples arbeitende "The Phonecall". Hier dünkt es den Zuhörer, als handele es sich bei der vorliegenden Version um den Ambient-Mix eines durchaus clubtauglichen House-Titels. Vielleicht erfreut Erbe ja demnächst auch noch den Tanzflur mit erfrischenden House-Tunes - das Potential dazu scheint er auf jeden Fall zu haben.
Im direkten Vergleich zum Vorgängeralbum "Kunststoff" zeigt sich, daß es Stefan Erbe mit seinem neusten Werk geschafft hat, die schon in "Kunststoff" sehr stark dominierenden Sequenzen nun sehr viel filigraner und melodiöser einzusetzen. Auch macht er kaum noch den Fehler, seine Titel nur auf den Sequenzen basieren zu lassen. Lediglich bei zwei bis drei Titeln hat man den Eindruck, daß hier noch älteres Material verarbeitet wurde, das auf "Kunststoff" keinen Platz mehr gefunden hatte. Da "Intermediate" aber ansonsten EM der Spitzenklasse liefert, sieht man auch über Elemente wie z. B. die etwas nervigen Standard-Arpeggios von "Little Samurai" oder den hämmernden Technox-Synthy in "Lost in Noman's Land" wohlwollend hinweg.
"Intermediate" hinterläßt also auch (oder gerade) nach mehrmaligem Hören einen sehr positiven Gesamteindruck. Abgerundet wird dieser durch ein ausgewogenes, gut produziertes Klangbild und (nicht zuletzt) durch ein professionelles Cover-Artwork. Fazit: Wer sich begeistern kann für interessante Sequenzen, gut inszenierte, oft endlos tiefe Flächen, dezent aber gezielt eingesetzte Rhythmen und eingängige Melodielinien, der ist mit "Intermediate" genau richtig beraten!
Anspieltips: Track 1 ("Between The Silence"), Track 3 ("Intermediate"), Track 7 ("Our Darkness")