Rezension

Influences

Shamall

1999 2CD 27 Tracks 142
★★★★½ 9.1/10 (8 Stimmen)
Diese Rezension wurde von Wilhelm Lücken verfasst am 12. Oktober 1999 und stammt aus dem MEMI-Archiv (1994–2005).
Einen tollen Blickfang bietet das Cover der neuen CD von SHAMALL, mit dem zutreffenden Namen Influences. Bei der futuristischen Computergrafik dachte ich an Science-Fiction-Musik par excellence jedoch beim ersten Anhören des Doppelalbums fiel meine Bewertung differenzierter aus. Die Musik ist etwas gewöhnungsbedürftig. Vergleiche mit dem opulenten Stil der Deutsch-Rock-Formation ELOY sind unumgänglich. Harte Electronic-Music wie sie u. a. von Andy Pickford aus England praktiziert wird, prägt den Stil dieses Albums.
Wer rhythmusbetonte Musik mit fetzigen Keyboards, schweren Gitarrenriffs und harten Drums mag, ist mit INFLUENCES bestens bedient.
Bis Track 6 der ersten CD hatte ich allerdings die Hoffnung schon aufgegeben, als plötzlich der harte, metallene Beigeschmack durch sympathische Melodien angereichert wurde. Exzellenter Klang. Der Rhythmus geht in Mark und Bein. Tanzbare, raffinierte EM mit sattem Background, garniert mit Soundeffekten à la Klaus Schulze und einem erstklassigem, 13minütigem Titeltrack, der an Robert Miles oder Chicane erinnert, haben mich endgültig überzeugt. Auch die folgenden Songs der ersten Scheibe sind ein Hochgenuss.
Auf CD 2 präsentiert sich SHAMALL in den ersten drei Songs mit so verheissungsvollen Namen wie "Sahara Wind" oder "Mana Arabica" im Ethno-Gewand. Doch da sollte er lieber die Finger von lassen. Also steigt er wieder mit dem fünfteiligen "The Voyager" zurück auf die metallene Schiene und von da an wird's für mich langweilig. Der letzte Track "Theme from Imagine" knüpft zwar wieder an die besseren Songs der ersten CD an. Doch auch bei diesem absolut empfehlenswertem Album gilt: weniger wäre mehr gewesen!